Sonntag, 18. Juli 2010

( Fast) kein Wein am Stein

Hoffest am Stein ist eigentlich ne sehr nette Angelegenheit. Wenn man sich den richtigen Tag und die richtige Uhrzeit raussucht. Und vielleicht noch die richtige Stimmung. Von einem selber natürlich.
Sonntagabend, schon später, ich bin locker mit einer Freundin verabredet, und denke mir so gegen Viertel nach elf, Ochja, schlapp doch nochmal hoch. Ist doch eh nur um die Ecke.
Und das tue ich dann auch.
Treffe Freundin, kaufe Glas, suche eines der Frolleins vom Weinverkauf.
Die grad am nächsten steht, muss tratschen. Und guckt auch nach mehrmaligem Winken nur unwillig her.
Bis sie sich dann doch bequemt.
Lustlos kommt sie auf mich zu, ne Flasche schwenkend. " Es gibt nur noch Rosé" sagt sie. Genau richtig, sage ich, bitte ein Schorle. " Gibts nicht" nölt sie. Und das langt schon, genau dieser Satz in genau diesem Tonfall, und ich bin gleich mal auf 180. Ja, das geht manchmal ziemlich schnell bei mir.
Gibts doch, sage ich ( und zwar: normales Glas Wein kaufen, und ne Flasche Wasser dazu - aber muss ich IHR das erklären?). "Hamwa nicht. Höchstens an der Theke. " Hamwa doch, sage ich. Vorgestern hatte ich das nämlich. Frollein zieht Fresse und platzt gleich. " Hamwa nicht! Gehen Sie halt an die Theke!" ich linse rüber und sehe den Chef da stehen. Falls sie noch länger drauf besteht, geh ich wirklich an die Theke. Aber nicht, um mir ein Schorle bauen zu lassen. Passen Sie auf, sag ich, ich krieg von Ihnen einfach jetzt ein Glas Rosé, und ein Wasser. "Wasser hab ich nicht, das müssen Sie sich schon irgendwo holen" .
Nein, sag ich, SIE holen mir das. ( Ja, ich kann manchmal auch wirklich SEHR SEHR borstig sein - vor allem, wenn es ums Dienstleistungsgewerbe geht.) Aber auch die kleine Weinkönigin kann stur sein. . " Ich hab jetzt keins, ich schicke Ihnen ne Kollegin vorbei", mault sie. Sehr gut, sag ich.
Die kommt auch gleich, und da funktioniert alles wunderbar. Ratzfatz.
Meine Freundin stattdessen guckt mich an. "Gell, Du wirkst schon ein bisschen gestresst!"
Natürlich! Ich bins auch. ich mußte mich grad zurückhalten, diese Schnepfe nicht an Ort und Stelle zu verprügeln.
Das Adrenalin muss ja jetzt irgendwo hin.
Und sie läßt auch nicht locker. Viertelstündlich krieg ich nen besorgten Blick und ein " Also Du gefällst mir garnicht!".
Und schon das hebt - zumindest meine - Stimmung jetzt nicht besonders.
Irgendwann gesellt sich ein angeschickertes DirndlDing zu uns, das allem Anschein nach nicht mehr ganz Herrin ihrer Sinne ist.
Ich hör mir noch zehn Minuten das Gelalle an, und beschliesse dann , zusammen mit meinem RoséSchorle die Nacht auf meiner kleinen Dachterrasse zu beenden.
Freundin guckt mich an und sagt noch mal" Also nee, Du gefällst mir üüüberhaupt nicht!" Is`ja gut.
Zuhause, mit Käsebrot und Restweinchen, fühle ich mich schlagartig besser.
Hätte wohl besser einfach von vorneherein zu Hause bleiben sollen;) Ist manchmal besser so. Für mich und die Anderen ;)

Kommentare:

Alexander von Halem hat gesagt…

"Hamwa nicht!" ist doch ein geflügeltes wort in Franken. service 101. immerhin: was man nicht hat, muss man nicht verkaufen müssen.

moggadodde hat gesagt…

Finde ich übrigens hervorragend, dass du so unzahm reagiert hast! Heißt es nicht "Service"? Oder "Dienstleistung"? Da war das Mädel wohl nicht ganz informiert.
Das Dirndl-Ding und die Weinprinzessin. Geschichten, die das Leben schreibt ... Köstlich!