Samstag, 7. April 2012

Naildesign für Profis

Um diese kleine Episode bin ich jetzt wirklich ein paar Tage herumgeschlichen -
soll ich sie aufschreiben? Oder besser doch nicht?
Andererseits – sie ist schon wieder so skurril – dass es schade drum wäre, sie zu vergessen.
Und ich kenn`doch mein Hirn!

Also:
Sitz ich vor ein paar Tagen so rum.... wo man halt so rumsitzt. Es kann eine Parkbank sein, genauso gut ein Wartezimmer beim Dottore – aber dann denken wieder alle , ich wär ja nur noch malad`-
aber kanns mir wurscht sein?
Ebend!
Also – neben mir also eine jüngere Dame, von der Ausstrahlung eher mal kompakt, also handfest – hatte auch ordentliche Arbeitshosen an, und solides Schuhwerk. Man konnte also gleich irgendwie erkennen – ne Naildesignerin etc. sitzt da nicht.
Wir kommen also so ins Gespräch, plaudern ein bisschen Smalltalk,
wer warum und überhaupt, und ich frag sie nach ihrem Autschn.
Die Hand, sagt sie, und zeigt mir das rechte Pfötchen. Damit ich es besser sehen kann, nimmt sie den GummiHandschuhVerband runter und ich kann fette Narben auf dem Handrücken erkennen. Und vom Ringfinger gibbet nur noch ein Glied.
Weia! sag ich, was haben Sie denn DA gemacht!
Kreissäge, sagt die Dame ( Ich sag ja – nach Naildesignerin sah sie halt auch nicht aus.)
Nafein, sag ich, also Sie haben vielleicht Hobbies!
Ja, sagt sie, alles abgetrennt. Haben die mir aber wieder schön angenäht.
Aber halt nicht opti. Schmerzen plagen sie, auch wenns schon wieder einigermassen aussieht.
Und beim Arbeiten stört das. Vor allem der – und sie deutet auf den Mittelfinger.
Weswegen sie auch gleich nen Termin beim Chirurgen hat . Weil der – und sie deutet nochmal auf den Mittelfinger – der soll jetzt weg.
Ich schnappe nach Luft. Wie, weg!?
Na, weg halt! erklärt sie.
Er läßt sich nicht mehr sooo bewegen, er stört einfach, weil er nicht mehr so tut, wie er soll.
Der soll weg.
Naja, sag ich, dann können Sie ja schon mal schön das Evil – Zeichen beim Metallkonzert machen!
Stimmt! sagt sie, und beide sitzen wir einen Moment da, mit dem EvilSign.
Aber Sie könnten ihn doch mit nem Gummi oder so an die anderen Finger binden, den übriggebliebenen Ringfinger, und den kleinen Finger, und der Zeigefinger kann dann schalten und walten wie er will, werfe ich mich für den ungeliebten Mittelfinger in die Bresche - dann muss der Mittelfinger vielleicht garnicht weg. Und vielleicht wird ja alles gut!
Nööö, sagt sie, der soll weg.
Außerdem, sagt sie, muss ich dann nicht mehr so viele Fingernägel schneiden!! und grinst.
Ja, sag ich, wobei – das Fingernägelschneiden haben Sie beim letzten Mal ja auch auf die harte Tour gemacht!
Und wir grinsen wieder.

Ich sag ja – Naildesignerin war sie ganz sicher nicht.

Mittwoch, 4. April 2012

Wäschestange des Grauens

Frühling!

Ich weiß nicht, weshalb ich fast meine komplettes Sparschwein für diese Bioresonanz-Therapie hingeblättert habe - irgendwie schlägt das im Moment noch nicht so an:
Die Nase läuft, die Augen tränen -
aber dennoch bin ich wie meistens guter Dinge und verströme puren Optimismus. Egal wo.
" Das ist doch schön, dass wir noch miteinander lachen können!!" freut sich einer der Zahnärzte meines Vertrauens - ja, ich hab da mehrere, die im wöchentlichen Rhythmus heimgesucht werden -
so bleibt es für jeden von uns abwechslungsreich.
" Na klar," sag ich, " ich will doch, dass es meinen Ärzten gut geht!"
So bin ich.
Dass mir ein anderer Arzt meines Vertrauens letztens erzählt hat, dass grade die Zahnärzte am meisten .. ich will es mal sanft ausdrücken .. mit dem Leben hadern,
weil sie nämlich, um ihren Patienten helfen zu können, manchmal erst recht Schmerzen verursachen müssen - das ist nur einer der Gründe.
Ich kann nix dafür - ich muss halt immer blöde Witze machen, das ist irgendwie genetisch. Aber macht auch nix.
Wie gesagt, ist der Arzt am lachen, freut sich die Patientin.

Aber eigentlich wollte ich was ganz anderes schreiben.
Nur eine kurze Erklärung. Ein Hinweis:


Falls ich unter verfrühtem Alzheimer leiden sollte, noch mehr dummes Zeug rede, also eh schon,...
oder auffallender Gedächtnisverlust eintritt ( also mehr noch, als ich eh schon habe ):
Ich wollte sie Euch nur zeigen. Die ist dran schuld.
Die Wäschestange des Grauens.
Gegen die ich jedes Mal sowohl beim Rausradeln als auch beim Reinradeln mit dem Kopf dagegendotze.
Weil ich irgendwie den Abstand immer verkehrt einschätze.
Ja, ich könnte auch schieben. Nö, das wäre ja langweilig.
So bleibt es ein bisschen spannend. Ob ich es irgendwann doch noch mal schaffe
Vorausgesetzt, ich erinnere mich dann überhaupt noch, wo mein Rad steht.
Bzw. welches von den Rädern meines ist.

Sonntag, 1. April 2012

Finanzdienstleister gone wild*

Nein, dass ich sowas nochmal erleben durfte – ich hätte es mir in meinen wildesten Träumen nicht besser ausmalen können.
Dabei fing der Abend erstmal ziemlich geruhsam an.
Ein Freitag Abend.
Weshalb ich Freundin S. zuerst in den Mitleidsclub schleppe.
Ein eigentlich völlig bescheuertes Unterfangen. Als ob ich da gerne hingehen täte!
Der „MidlifeClub“ - einmal im Monat „Musik für erwachsene Ohren“, wie der bescheuerte Slogan mal hiess – und was nur bedeutete, dass es Musik für Ohren war, aus denen schon deutlich sichtbar graue Haarbüschel rauswucherten .
Freund Tretter nennt das auch gern „ betreutes Tanzen“ , das trifft es auch ganz gut.
Ich habe kaum meine 4 Euro Eintritt bezahlt, da bin ich auch schon schlecht drauf.
Ich habs ja geahnt.
Aber da stehen wir jetzt, mittendrin, in dieser sonderbaren Veranstaltung, mit Menschen , die manchmal sonderbar tanzen, und deren erwachsene Kinder an der Theke die Getränke ausschenken. Also praktisch Kinderdisko verkehrt herum.

S. findet das Ganze eher lustig, sie sieht das ja noch mit jugendlichem Abstand,
und ich bin froh, dass wir Georg zum Plaudern treffen. Da stehen wir also , gucken uns die Welt an, und ich gebe mir mit zwei Apfelschorle völlig die Kante.
Freundin S. trinkt Bier, das täte mir vielleicht auch helfen. Aber egal.

Irgendwann machen Freundin S. und ich uns dann doch wieder auf den Heimweg.
Zwei junge Jungs quatschen uns an, und wollen von uns Entscheidungshilfen, in welchen Club sie noch gehen sollen.Kamikatze? Oder Boot? Oder beides? S. und ich wägen das Für und Wieder ab, bedenken Uhrzeit und Klientel, die Jungs werfen die jeweiligen Eintrittsgelder noch in die Diskussion – und mittendrin meint einer der beiden Buben auf einmal zu mir:
„ Sachemol – Du machst doch bestimmt was Soziales!“. S. lacht. Ich bin empört.
Was Soziales! Ich! Eine Frechheit! Das ist der Dank dafür, dass man jungen Menschen den rechten Weg in die richtige Disse weisen will.
Man wird zum Sozialpädagogen degradiert. Dann hätte ich allerdings auch wieder gut in den Mitleidsclub gepasst. Aber egal.

Vielleicht isses der Frust, vielleicht irgendwas anderes - als das Maritim Hotel vor uns auftaucht, schlage ich Freundin S. eher spaßeshalber vor, noch ein letztes Kaltgetränk in der Bar vom MaritimHotel zu nehmen.
Und S. wäre nicht S. , wenn sie mich nicht beim Wort nehmen tät.
“Desmachenwir!!“ sagt sie, und drin sind wir.
In der Maritim Bar.

Und damit mittendrin in der wahnsinnigsten Krawattenträgersause.
Und damit beginnt der lustige Teil des Abends.
Jetzt denkt man nicht, dass eine Hotelbar in Würzburg morgens um zwei aus allen Nähten platzt – aber das tut sie. Die Musik ist ohrenbetäubend, und die fünf Jungs hinter der Bar sind schwer beschäftigt.Freundin S. und ich bestellen unsere Kaltgetränke – Bier für S., alkfreien Cocktail für mich – und wir staunen praktisch mit offenem Mund.
Alle vom selben Verein – ich denke tatsächlich wirklich erst, das hat was mit Schalke zu tun,
weil ein paar blaue Schals um den Hals tragen – aber da ist nur das Firmenlogo drauf zu sehen, das ich natürlich wieder nicht entziffern kann.
Ein paar haben nicht nur die Krawatten schon abgelegt, sondern auch schon die Hemden aufgeknöpft - und ich bin froh, dass es in der Bar ziemlich schummrig ist.
Tatsächlich gibt es auch ein paar Frauen, die sich ziemlich wacker halten, denn der Großteil der Jungs ist nämlich schon so betrunken, dass es ihnen selbst schon völlig egal ist, woran oder an wem sie sich festhalten – was um uns herum zu ausdauernden Verbrüderungsszenen führt.
Oder Coachinggesprächen.
„Dumusssssdemsseigenwassdudraudhasss!“ brüllt der Herr rechts neben mir seinem Kollegen ins Ohr. S. weist mich drauf hin, dass dessen Initialen in die Manschettenknöpfen eingraviert sind. Und ins Hemd eingestickt.
Warum läßt man sich seine Initialen ins Hemd sticken? Damit die Gattin nicht vergisst, wessen Hemden sie wäscht? Oder wenn man die mal wo liegenläßt, die Hemden...
Bin verwirrt. Aber beeindruckt...

Kistenweise werden Moet-Chandon- und Veuve-Cliquot-Flaschen angeschleppt, und außerdem Champagner rosé . Was Freundin S. auffällt, ich seh ja wieder nix – und alles natürlich in der Magnum Version. Aber trinken allein wär ja langweilig – in regelmässigen Abständen gibt es deshalb Champagnerduschen für alle.
Ein Wahnsinn.
Das Wahnsinnigste daran ist, dass man beim vierten oder fünften Mal nicht mehr „Der Wahnsinn! Sind die alle wahnsinnig?“ denkt, sondern sich duckt und eher sowas „Ochnööönetschonwieder“ oder„ hoffentlichbleibtderdamitdrüben“ denkt.

„ Wenn die Hecke gestutzt wird, wirkt das Haus größer!!“ brüllt jetzt der Manschettenknopf seine Kollegen an, und alle lachen herzlich, und ich bin mir ziemlich sicher, dass es diesmal nicht um den Job geht.

Mittendrin muss ich dann S . doch mal fragen von wegen meiner Sozialpädadogenausstrahlung.
"Naja", meint sie,"irgendwie ja schon."... Altaaaaabitte???... Naja, die Jacke halt,meint sie, und der rosa Schal.... "Der ist rot!" und außerdem die Haare."Die Haare? Was ist mit meinen Haaren? Wieso hab ich sozialpädadogische Haare?"
So genau kann S. das auch nicht erklären, vielleicht liegt es an der Farbe, meint sie, das Rot…?
Das Rot? Montagmorgen sitz ich beim Friseur , ich schwöre.
Hie und da verirrt sich ein betrunkenes Krawattenträgerle auch zu uns, wird aber wegen mangelnder Kommunikationsfähigkeit gleich wieder weitergeschickt.
Außer ein etwas älterer Herr, der zwar auch schon hackedicht ist – was er auch offen zugibt – aber wenigstens trägt er seine Krawatte noch ordentlich gebunden, und wir plaudern ein bisschen.
Die Jungs sind natürlich , wen wunderts, Finanzdienstleister.
Finanzdienstleister! Aha!
„Könnt ihr Euch sowas wie Budapest nicht mehr leisten?“ frage ich ihn, und er ist ein klein bisschen eingeschnappt. Aber nur kurz. Er erzählt uns von den Höhen und Tiefen seines Berufes, und von den außerordentlichen Qualifikationen , die man dafür braucht, und deswegen, und auch wegen des sichtlich akuten Frauenmangels läßt Freundin S. sich seine Telefonnummer geben.
Vielleicht wäre der Job ja was für sie.
Champagnerflaschen über den Köpfen der Kollegen auszuschütten jedenfalls findet sie schonmal nicht schlecht.
Er lädt uns noch auf eine Runde ein, und während man uns die Getränke zusammenmixt, gehen wir eine rauchen.
Wo alsbald ein völlig betrunkener Engländer zu uns stößt, der auch zu der Truppe gehört,
und uns mit einem freundlichen " Bitches!!!!" begrüßt. S. protestiert, und tatsächlich: Er revidiert er seine Meinung. Jetzt bin nur noch ich allein die Bitch.
"Yeaaah!", lallt er. "Look at your red hair! Like a bitch!"
Ach! Auf einmal! Jetzt bin ich auf einmal die Bitch! Wegen meiner roten Haare!
Da soll sich einer auskennen.
Unsere zweite Runde Drinks nehmen wir jetzt recht zügig.
Neben uns führt eine propere Lady im engen Schwarzen vor zwei ebenso properen Herren
einen Exklusivtanz auf, wobei sie abwechselnd lasziv mit den Hüften wackelt und
sich dann wieder an der Balustrade der Sitzgruppe schubbert.

Diverse Hemden sind jetzt nicht nur aufgeknöpft, sondern komplett abgelegt - und wir beschliessen dann auch, nach Hause zu gehen.
Und auf dem Heimweg hatte ich dann noch ordentlich Zeit, drüber nachzudenken:
Sozialpädagogin - oder Bitch. Bitch - oder Sozialpädagogin.
Soll bloß keiner sagen, dass ich nicht ein breites Spektrum abdecke.
Allerdings: das mit der Sozialpädadogin - also das hat mich wirklich beleidigt.


*Titel mit freundlicher Genehmigung von terebinthe geklaut.
Mal gucken, wie sie den Abend in ihrem Blog sieht:)))
http://durchmeinebrille.wordpress.com/



Mittwoch, 21. März 2012

Frühling fürs Handy

Ja, mein Handy war in der Reparatur. Ja, und es hat danach immer noch nicht funktioniert.
Was ich allerdings erst ein paar Tage später gemerkt habe, als ich es wieder laden wollte.
Jetzt hätte ich nochmal in den gleichen Laden in der Stadt gehen können, und da einfach noch einmal tourettieren
- aber das hat schon beim ersten Mal nix gebracht, und auch keinem wirklich Spaß gemacht. Nicht einmal mir selbst.
Also gehe mit meinem kleinen kranken Handy in den 02-Laden in der Zellerau. Frankfurter Strasse.
Man öffnet die Türe – und es riecht gleich ein bisschen verraucht, ein paar Männer unterhalten sich an der hnteren Theke, und zwei davon spielen Backgammon.Vorne stapeln sich in diversen Kartons und Schubfächern kleine Plastiktütchen mit Kabeln und diversen Metallteilen – und Du weißt: Hier bist Du richtig. In einem dieser Fächer liegt ganz sicher die Lösung für Dein Problem. Hier hilft man sich noch selbst. Hier werden kranke Handys nicht verschickt – hier werden sie repariert. Irgendwie. Irgendwie wird sich da was finden!


Und wirklich: Der eine Backgammon - Mann hört sich meine Jammergeschichte an, und sagt dann nur trocken mit diesem schönen osteuropäischem Akzent: " Issst vielleicht nur Ladääägerät."
Sucht in den Plastiktütchen ein passendes Ladegerät. Und wirklich – es funktioniert.
So einfach.
Soooo einfach!


Ich neige in solchen Momenten ja immer dazu, Männern dieses Schlags einen Heiratsantrag zu machen.
Männern, die sich ein Problem angucken, und dann ohne viel Worte – einfach die Lösung finden. Zack. Achja!
Da werde ich dann immer ganz sentimental. Wie schön tät das Leben dann sein!Ich stelle mir vor, wie mich wieder das Tagwerk beutelt, wie ich meine Gefühle mal wieder nicht in den Griff kriege, alles ist ganz schrecklich, oder ganz traurig, oder ich bin unglücklich oder sonstwas, das ganze Leben ein einziger Hürdenlauf und ich weiß weder aus noch ein..... mein Nervenkostüm ist schon halb zerschreddert und ich bin nur noch ein einziges Fragezeichen, ein einziger Hilferuf....


Aber da ist dann dieser Mann – und der guckt mich an und dann sagt er nur :
„ Schatz, beruhige Dich – isssst vielleicht nur Ladääääägerät.....“
Wär das was? Das wärs.
Weil wenns nicht das Ladegerät wär, dann halt nur irgendwo ein Kabel oder ne Schraube oder sonstwas.
Nichts, was man nicht einfach mit ein paar Handgriffen lösen könnte.
Achwärdasschön.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Früher war besser

Also ich versuche ja, meistens ein netter Mensch zu sein. Freundlich und relativ umgänglich, schön am good vibrations ausstrahlen, möglichst offen auf die Menschen zugehend.
Sitze also heute mit der Truppe vom Schützenhof im Café, alles ist besprochen und verplaudert, satt und glücklich sitzen wir da rum, und Florian will mich was fragen, und ich dreh mich zu ihm hin, und denk mir nix und lächle ihn an – also was ich denke, was ein Lächeln sein sollte – da höre ich von Florian nur noch so ein „ Aaaahhh ! Kannst Du das mal sein lassen! Dieses Gegrinse! Das ist ja nicht auszuhalten!! Aufhören! Sofort!“ .
Ich ein einziges großes „Häää?“
Florian: „ Ja! Das hält doch kein Mensch aus!“
Und Georg auf einmal auch noch: „ Ja bitte! Sei wieder wie früher!“
Ich: „ Also bitte, ich versuche hier gerade good vibrations auszustrahlen!“
„ Nöööö“, sagen die Buben,“bitte bitte, nicht - lass`gut sein, sei einfach wieder wie früher!“.
Na toll. Alles umsonst.
Die ganzen Selbsthilfebücher, das Yoga von wegen der inneren Ruhe und die guten Vorsätze.
Und überhaupt war das ja auch nicht einfach, sich das alles drauf zu schaffen!
Sowas dauert!
Und wofür? Fürn Bobbes!
Das ist garnicht erwünscht!
Von wegen freundlich und umgänglich und überhaupt – braucht kein Mensch!
Man will mich viel lieber als Borscht!
Das hätte man mir ja auch mal früher sagen können.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Mit Eva im Damenbad

Warum nicht mal in Oberhausen kaspern?!
Ebend!
Also im Ebertbad beim „Damenbad“ einen lustigen Abend verbracht -
auf Einladung von Gerburg Jahnke, die als scharmante Gastgeberin durch den Abend führt.
Mit dabei:Mia Pittroff, Die Liederfee und Frieda Braun, , die ihr alle gefälligst mal auf den HPs besucht.
Was hatten wir für einen netten Abend! So unter Frauen – also das ist immer so grandios entspannt.
Man sitzt rum, erzählt sich Kalauer aus dem Leben, schaufelt abwechselnd Haribos und Pizzastücke in sich rein, und wird von der Ebertbad- Crew gehegt und gepflegt.

Und auf der Bühne – ein Spaß! Für alle! Auch für die Zuschauer!
Ja, auch mich schien das Publikum gut leiden zu können – in Wort und Gesang …. bis... nun...bis zum „Eva“ - Lied.
Irgendwie hatte ich da so das Gefühl – das finden jetzt nicht mehr alle Leute soooo lustig.
Man merkt das ja, wenn man auf der Bühne steht, und einem das Publikum so langsam wegschwappt.

Hinterher – tatsächlich - spricht mich eine ziemlich ältere Dame auf die Eva an.
Wie man denn auf die Idee kommt, ein Lied über Eva Braun zu machen. Und Hitler.
Naja, sag ich, das ist mir so eingefallen. „ Eva, Du hast den Führer geküsst“ .
Das gefiel mir als Refrain, und als Idee.
Ja, sagt sie, also , sie findet das ja nicht so passend. Frauen machen so etwas eben.
WAS machen Frauen, frage ich.
Frauen suchen sich eben erfolgreiche Männer. Das ist typisch weiblich. Sagt sie.
Entschuldigen Sie, sage ich, aber das, was Eva Braun gemacht hat, ist sicher nicht typisch weiblich , sondern ausgesprochen dumm. Und bescheuert. Wie ich es eben auch in dem Lied sage.
Hallo!? Hitler!? Bilde! Wie kann man sich nur mit so einem Mann einlassen!! Das geht gar nicht!
Doch, sagt sie, das ist eben so. Frauen sind so. Das ist eben typisch weiblich, wiederholt sie.
Frauen möchten sich gern mit einem erfolgreichen Mann zeigen.
Momentemol, sag ich, ich halte das für eine ziemliche Beleidigung, alle Frauen über einen Kamm zu scheren. ( Und mich dazu natürlich sowieso ).
Und sowas ist sicher NICHT typisch weiblich.
Doch, sagt sie.... Nö!! sag ich, und weiß auch nicht mehr zu sagen, … außer mal schwach die „weisse Rose „ einzuwerfen..... aber sie sagt immer nur : Frauen sind so.
Das ist typisch weiblich. Typisch weiblich.
Was soll man da sagen???
So alt und nix dazu gelernt??
Wie armselig, wirklich.
Und da denke ich dann – ja, grade deshalb und wegen solcher Frauen werd ich mein „Eva“ - Lied immer wieder gern singen!
Auch wenns mir dann hie und da wegschwappt, das Publikum.

Samstag, 30. Juli 2011

Himmel hilf

Gestern Abend wieder – übliches Rumsitzen vor der Show im Biergarten.
Bei Bratkartoffeln, Cola oder Capuccino.
Und immer wieder mal mittendrin kurzes Geplauder mit den Gästen, die in unser Theaterstück kommen.
Gestern also der nette ältere Herr. Schon ziemlich älter, aber irgendwie sehr rührig.
Ja, sagt er, er freut sich ja schon sehr! Er hat ja bis jetzt noch alles geguckt am Schützenhof.
Letzte Woche, erzählt er dann, war er in Röttingen. Fledermaus. „ Also ganz großartig!“, sagt er, wirklich!“ „ Läuft in Röttingen nicht auch „ Jesus Christ Superstar?“ frag ich ihn – zufällig weiß ich das, weil ein paar Mitmusiker da in der Band sind. „ Das ist doch sicher auch gut!“
„Ah!“ , sagt er da, „ wir waren letztes Jahr in Oberammergau – und das Ganze dann jetzt so auf modern, naaaaa, des wollemer net!“
Und schwupps – so landen die Passionsspiele und Andrew Lloyd Webber in einem Topf. Wobei natürlich – die Story ist ja auch... äh, die gleiche...

Sonntag, 19. Juni 2011

Taube 1

Tauben gehen`doch!

Es gibt nicht viele Termine , die ich mir jetzt so privat vormerke. Mit zweimal Handyklingeln und anrufen lassen und so. Eigentlich sogar eher selten. Sogar so gut wie nie.
Den Termin heute allerdings – den hatte ich schon vor zwei Wochen im Kalender: Nicht mal 10 Minuten im BR, in der Frankenschau.
Thema: Kunstflugtauben.
Kunstflugtauben!!! Ist das irre??? Kann man das fassen?? Sowas MUSS man sich angucken!! Das DARF man nicht verpassen!
Also – so gings mir zumindest.
Ich hab schon gemerkt – da stand ich aber auch ziemlich allein auf weiter Flur mit meiner Begeisterung.
Mir doch egal!
Sogar die Probe mit Kollegin H. extra überpünktlich beendet.
Und dann um kurz nach 18.00 Uhr bei der besten Nachbarin B.in Jogginghose auf dem Sofa gesessen, weil bei mir im Fernseher das Bild nix war.
Gut – der Besuch von B. war ein bisschen irritiert – die hatten sich alle feingemacht für ein Essen, und waren schon auf dem Sprung – und ich praktisch auf dem Sofa am rumlümmeln, die Fernbedienung in der Hand und ihnen „ Viel Spaß!“ am hinterherrufen.
Und dann – da waren sie: die Kunstflugtauben.
Roller.Purzler. Sturzflug! Kerze!Yeeeeees!
Be- zau- bernd.
Will ich haben. Sofort und gleich. Ich war hin und weg.
Nein, ich bin es immer noch.

Ja, ich weiß! Die meisten Menschen finden Tauben – ätzend. Eklig. Flugratten. Höchstens im Pfännchen – dann vielleicht ( aber, muss ich da sagen: nur, wenn meine Tante Mädl sie zubereitet, die kann das nämlich am besten).

Aber ich persönlich – ich finde sie einfach süß. Hübsch.
Ewig könnte ich den Tauben lauschen, wenn sie auf dem Dach gurren! Jawoll!
( ja, ich hab ein Katzennetz um meinen Balkon, weswegen sie auch nicht reinfliegen und rumkacken können. )

Und irgendwie – mir war jetzt nie so klar, warum ich Tauben grundsätzlich nett finde.
Bis mir grade eben wieder Frieda eingefallen ist.
Ich glaube, Frieda war an allem schuld.
Frieda war eine hübsche schneeweiße Taube, die uns – man kanns wahrscheinlich nicht anders sagen – an irgendeinem arschkalten Wintertag zugelaufen ist.
Damals in Augsburg, ich war noch ein Teenager.
Draussen fett Schnee, wir mit Hund Gassi, und da sitzt dieses dünne ausgemergelte Ding auf der zugeschneiten Strasse. Direkt vor unserer Haustür
Natürlich haben wir sie mit reingenommen. Und – ja – behalten.
Sie bekam nen kleinen Karton, der in der Küche stand –
und in dem durfte Frieda wohnen.
Anfangs war sie noch ziemlich.. hm.. dünn.. relativ unansehnlich... ausgemergelt... aber nach ein paar Wochen hatte sie sich spitzenmässig erholt.
Bildhübsch! Strahlendweiß ! Und – ja, ziemlich moppelig.
Ich würde sogar sagen – also ziemlich nah dran an.... fast fett.
Und sie durfte natürlich raus aus dem Karton, ne Runde fliegen ( soweit möglich ) und dann saß sie für den Rest des Tages oben auf dem Schrank und sah Mutti beim Spülen zu.
Das muss auch noch mal erwähnt werden: Meine Mutti war und ist praktisch eine Hauswirtschaftsmutti. Da wird geputzt und gewienert, und Sauerei is`nicht.
Ich weiß nicht, wie – aber in unserer Bude war von Taubenkacke keine Spur! Vielleicht war Frieda wohlerzogen, vielleicht hatte sie Verstopfung – ich weiß es nicht ( Anmerkung: Mutti fragen).
Und selbst unser Hund hatte sich an sie gewöhnt. (naja, so leidlich)
Und was einfach immer arg schön war:
Frühs, wenn noch alles im Bett lag, fing Frieda unten in ihrem Karton in der Küche das Gurren an. Die allmorgendliche Begrüßung. Taubenritual. Mit Taubengurren im Öhrchen aufwachen. Und sowas ist einfach – hübsch!
So wirds sein. Kindheitserinnerungen!
Deswegen mag ich das wohl. Und ich kann nix dafür!

Gut, irgendwann haben wir Frieda einem Züchter gegeben, nach vielleicht – knapp einem halben Jahr.... wo sich dann natürlich auch rausgestellt hat, dass Frieda ein Frieder war.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann ... gurrt er noch heute!

Und wegen Frieda hab ich mir dann vor einigen Jahren ein Pärchen Diamanttäubchen zugelegt .... die es leider auch nicht mehr gibt –
aber das ist wiederum ne andere Geschichte...klar☺

Sonntag, 30. Januar 2011

Auch Sonntag

Auch ein Sonntag

Schöne sonntägliche Reihenfolge: Erst Radio, dann Sport und dann kleines Nickerchen auf dem Sofffa dranhängen.
Mitten in die schöne Sofffa – Ratzerei schrengelt die Türklingel. Aber wie! Pfff. Mir egal.
Ist doch eh wieder nur ein doofer Sonntagszeitungsausträger. Aber da schrengelt die Türklingel wieder. Noch lauter. Ich plumpse vom Sofa und schlurfe zur Sprechanlage. „Jaaaaaawasdenn“, gähne ich. „ Halloooo!“, flötet Freundin E. „ ich bins! Kommste mit spazieren?“ ."Nöööö, ich will nicht spazieren.“, murre ich. „ Schade? Echt nicht?“ – "Nööö, ich will nicht.“ „OH!“, sagt Freundin E.,“ Ich hab Dich geweckt Sorry!“ - erst da merke ich, was ich da eigentlich grad für ein unhöfliches Manöver abziehe. Aber ich bin halt noch verschlafen.... Trotzdem...Also wirklich. Entschuldige mich umgehend.
Und natürlich geh ich mit spazieren.
Saukalt wie es draussen ist, schaffen wir es auch nur bis zur Steinburg hoch und suchen uns da ein hübsches Plätzchen für Kaffee / Earl Grey und Kuchen. Mit Blick über Würzburg.
Und einem ganz reizendem Frollein als Bedienung.
Schon schön.
Als wir wieder aufbrechen, wird grad der Tisch neben uns für ein LoveDinner gedeckt.
Mit den üblichen Utensilien. Herzchen und so.
Vielleicht für ein Jubiläum, vielleicht auch für einen Heiratsantrag – wer weiß! – meint zumindest der Herr Ober.
Wir sind natürlich neugierig und wollen wissen, ob sie denn sowas auch mitkriegen.
Also einen Heiratsantrag oder so.
Klar, erzählen uns Herr und Frau Ober, sie hatten auch schon mal ein Paar zu Gast –
Da hat sie ihm den Heiratsantrag gemacht. Und er hat Nein gesagt.
Und das auch noch während des Essens.
Da sassen sie dann noch nebeneinander und haben stillschweigend den Rest des Menus verdrückt. Und das Doofe war, dass der Ring erst ganz zum Schluss in seinem Dessert versteckt war.
Und sie hat das Essen auch noch bezahlt.
Wir diskutieren hin und her.
„Ich würde da ja gehen. Da bleib ich doch nicht sitzen neben dem Typen! Wenn der „Nein“ sagt!“, sag ich.
„Na wieso,“ sagt E.,“ jetzt hat man es schon bezahlt. Da kann man es auch aufessen.“
„So sind die Franken!“ sagt Herr Ober.
„Außerdem „,sag ich, „ - NIE einem Mann den Heiratsantrag machen! Würde ich nie machen!“
„Naja“, sagt der Herr Ober darauf,“ das ist halt alles wegen der Emanzipansion – oder wie das heißt.“
So wird es sein.
Nieder mit der Emarzipansion!

Dienstag, 25. Januar 2011

Lahme Ente

Und vom Anspruchsguck ins Kinoguck.
Naja, Hollywood halt.
Ich bin ja selber schuld – nur weil ein Film von allen hochgelobt wird, muss er nicht unbedingt auch so grandios sein.
Das weiß man ja auch inzwischen.

Gestern also: „Black Swan“ mit Natalie Portman.
Ich hab mich – doch, in der Tat - ein bisschen gelangweilt.
Düsteres Licht, sonderbare Geräusche und blutige Fingernägel, Kratzspuren am Rücken und Pusteln auf der Haut, aus denen sich sogar kleine schwarze Schwanenfeder ziehen lassen.
Ja, gut – und?
Warum, wieso, weshalb?
Sie knutscht mit ner Frau! Herrje! BöseBöseBöse!
Und dann war doch nur alles Einbildung?
Weshalb sollte sie so durchdrehen, nur weil sie auch den verführerischen schwarzen Schwan tanzen darf?
Das war irgendwie alles nicht so stimmig – das war nicht rund – das war irgendwie – öhem, ja, unbefriedigend.
Die böse böse Mutti, die ihr zu Feier des Tages eine wunderbar kitschige riesige Sahnetorte hinstellt – ja, hinterlistig ist das, und gemein, wo sie doch weiß, dass das Kind nicht zunehmen soll. Ja, hätte sie ihr denn stattdessen eine garnierte Mohrrübe hinhalten sollen?
Das wär doch auch wieder nicht recht gewesen.

Und auch irgendwie dööflich: Der „Amelie“- Effekt. Immer ganz nah ran ans Gesicht – diese Augen! Diese AUGEN! Da hatte ich auch irgendwann genug von.
Trotz alledem:
Natalie Portman spielt trotz alledem wirklich wirklich klasse. Blut, Schweiß und Tränen – da darf man nicht meckern, den Oskar hätte sie auf jeden Fall verdient.Den Globe hat sie ja wohl schon


Jetzt guck ich mal, was als nächstes dran ist.

„Labyrinth der Wörter“ , tipp ich mal. Das Buch war schon so genial.
Und mit Depardieu kann man ja nix falsch machen.
Hoffe ich.

Samstag, 15. Januar 2011

Anspruchsguck

Kinoguck... leider nicht.
Das hab ich gestern verschlafen.... dabei soll der Film wirklich gut sein:
„Morning Glory“ mit Harrison Ford.
Hätt ich’s geguckt, hätt ich wenigstens meine Popcorn bekommen.
Ja, ich gehöre leider zu den Prollguckern, die immer gern mit ner Tüte – achwas –
Mit einem ganzen Eimer voll süssem Popcorn im Kino sitzen.
Ganz anders bei Anspruchsguck.
Bei Anspruchsguck sitzt du auf harten Sesseln und da natürlich ohne Popcorn.
Wär ja noch schöner.



Und du hast Anspruchsguckpublikum.
Wie grade eben bei
„Das Schreiben und das Schweigen“ Oder umgekehrt
Im Programmkino Central.
Grauhaarige Anspruchsguckerinnen, die kreischend lachen, wenn sie sehen, in welcher Zettelwirtschaft ( ja, man kanns auch ZettelSauhaufen ) Friederike Mayröcker haust.
Ja, da graust der Intelligentia. Die sich da im Prinzip genauso bescheuert aufführt, wie der KinoGuckTeenie, der sich bei ner Kussszene zwischen Jungs windet.

Und harte Sessel.
Die bräuchte der Anspruchsgucker nicht, verkündet das Plakat am Eingang, denn das Kino entführt den Zuschauer dafür in besondere Traumwelten.
Nööö, mich nicht. Mich entführte es in reale Hüftschmerzwelten.

Und nicht mal mit Popcorn zum Trösten.
Wir sind ja nicht bei Kinoguck.

Samstag, 23. Oktober 2010

DaDaDa!

Dadada


Theaterwochende. Gestern im Chambinzky bei einem wunderbaren...Liederabend.
Ich nenn das mal Liederabend. Viele Lieder, viel Klassik, auch Musical... und Talia singt einfach herzergreifend schön. Eine Stimme! Ich hab sie ja damals im Kons schon immer durch die Tür erkannt. Ah – da singt Talia! Jaha, damals. Auch Achim ganz große Klasse. Und den Pianist darf man ebenfalls nicht unter den Tisch ( oder unters Klavier ) fallen lassen.
Und heute eben „DADA“ in der Werkstattbühne. Auch sehr spannend, sehr lustig, und sehr DaDa alles.
Insgesamt also ein ausgefülltes ZuGuck – Wochenende.

Was mir dabei aber im kleinen Hirn noch dazu hängengeblieben ist – das waren die Zuschauer.
Natürlich nur ganz bestimmte Zuschauer. Wenn man mal selber so als Zuschauer zuschaut, und mitkriegt, wie andere Zuschauer so... zuschauen – also da wird einem ganz annersch.

Gestern die beiden älteren Damen vor mir in der ersten Reihe. Die lauthals mitsingen. Die schunkeln. Und vor allem räbern räbern räbern als ob es kein Morgen gäbe. Und so laut, dass sogar die Reihen hinter mir die Geduld verlieren.
Wenn in den zweiten Teil reingeräbert wird in einer Küchenlautstärke, wie zwei Marktweiber ( so ähnlich das Zitat einer Dame hinter mir ) – ohne Rücksicht auf irgendwas – ja, da spielt ja auch grad nur der Pianist allein, da kann man das ja machen, da passiert ja sonst nix.
Ich weiß nicht – muss das ein?
Die erst die Klappe halten, als ich dazwischen gehe. Wie kann man so unsensibel sein??
Nö ... so völlig plemplem?

Und heute, in der Werkstattbühne – sitzen zwei Herrschaften mittleren Alters, ziehen ihre Schuhe aus (!) – Ja, und was für Schuhe, diese Ökoklettersandalen, die sie über die selbstgestricken Wintersocken tragen – und legen gemütlich die Beine hoch.
Wie zuhause im Wohnzimmer.

Sowas macht mich wild. Ich war nah dran, rüberzugehen, und denen die Meinung zu sagen.
( Ich meine – dass war eh ein DaDa – Stück – vielleicht hätte ich das als Zuschauer ja auch machen dürfen ;))
Dass das eine Art von Respektlosigkeit ist, die man sich einfach verdammtnochmal verkneift.
Die Beine hochzulegen!
Wenn die bei Freunden zu Besuch sind – legen die da auch gleich die Füsse auf den Tisch??

Ich weiß nicht, was solche Leute im Kopf haben.
Gut. Ich bin da ein bisschen sensibel.

Ich mag es zum Beispiel auch nicht, wenn die Bühne, auf der ich stehe und kaspere, oder singe, vom Publikum dazu benutzt wird, Jacken, Handtaschen und die Bier – und Weingläser abzustellen.
( Oder ebenfalls da die Beine auch hochzulegen – ist alles schon passiert )
Letztens im Burgtheater in Nürnberg – da hat eine ganze Clique von vier Leuten den Bühnenbereich bis hin zu Werners Klavier komplett unter ihrer Garderobe begraben.

Eine Bühne ist eine Bühne (.. ist eine Bühne ). Das ist No-Go-Area .
Das ist mein Bereich, auf dem ich arbeiten muss /darf, mein Raum , den ich brauche, mein Territorium. Vielleicht auch mein Nest.
Und so denken eigentlich viele Künstler.
So eine Art geschützter Raum, von dem aus man agieren kann.
Und der nen Bruch kriegt, wenn Leute das als Abstellfläche benutzen.

Es gibt Kollegen, die den Gästen persönlich die Gläser in die Hand drücken, weil sie das nicht haben können.
Ich denk ja dann immer, nö, das kannste nicht machen,.
Aber vielleicht inzwischen – vor allem nach diesem WE – wer weiß.
Einfach mal – Hoppla! Der schöne Wein! Das tut mir jetzt aber leid!

Montag, 2. August 2010

Süss` Tierleben

Wer, wie ich , einen Günther zuhause hat, oder ein Mädchen, der kann sich ein Leben ohne – in diesem Fall Katzen – nur schwer vorstellen.
Und gesund isses ja auch noch. Sind wir Tierliebhaber ja allein durch die Anwesenheit unserer putzigen Freunde vor allerlei Ungemach gefeit – so hört man zumindest immer wieder in diversen Umfragen. Gut gegen Depressionen soll es sein, die Widerstandskraft erhöhen, und falls es einen doch erwischt hat, wird man wieder schneller gesund. Heißt es..
Und die pure Freude isses ja obendrein:
Guck, wie es frisst!
Guck, wie es da liegt! Guck, wie es guckt!
Und guck, wie es wieder den Thunfisch in der ganzen Wohnung verteilt.
Guck, wie es wieder quer über der Zeitung liegt.
Guck, wie es wieder überall seine Katzenhaare verteilt hat.
Und hör , in der stillen Nacht, wie dich die pumpenden Würgegeräusche der Katz`aus dem Schlaf reissen – was Du am nächsten Morgen wieder vergessen hast, weshalb Du noch vor der ersten Tasse Kaffee schon mit dem einen Fuß in der feuchten Katzenkotze stehst.
Eben – die pure Freude!

Vor einer Woche haben mein Bruder und Schwägerin jetzt also die zweite Katze zu Grabe getragen – ( ich muss gestehen, ich hab die Namen der beiden immer durcheinander gebracht – also die Namen der Katzen, nicht die von Bruder und Schwägerin ) – Gismo,und Simba, auch genannt Tätemann und/ oder Mölemann. Jedenfalls sind beide jetzt im Katzenhimmel.
Man kann vielleicht so nebenbei erwähnen, dass sowohl Bruder als auch Schwägerin in tierlieben Familien aufgewachsen sind. Schwägerin sogar in einer ,würde ich sagen, tierverrückten Familie. Zum Beispiel mit Papageien ( die es immer noch gibt ) und die inzwischen die eine Küche ( Holz!) so derart in Einzelteile und Sägespäne zerlegt hat, dass die Familie kapituliert hat, und sich ne neue Küche – in einem neuen Raum- gebaut hat.
Aus Stahl.
Zwischenzeitlich haben noch zwei Karnickel Obdach gefunden im Hause Süss ( August und Phoebe – Phoebe spricht man übrigens Fiiiebieee! – und mein Bruder baut sogar grade in echt ein neues Hasenheim! Mein Bruder! Ich erinnere mich nicht, dass er überhaupt mal irgendwas gebaut hat – in die Luft gesprengt ja, Modellflugzeuge und so – ah,ich weiche ab ) und über den Winter gab es sogar einen Igel, der überwintern durfte ( stinkt anscheinend wie ein Iltis, so ein Igel).
Jetzt also ein ( fast) tierloser Süss – Haushalt. Aber nicht lange.
Schwägerin am Telefon: Wir holen uns jetzt nen Hund! Hund, sag ich, klasse, und gleich noch ne Katze dazu!
Aber Katzen streunen immer, und das halt ich nicht mehr aus, sagt die Schwägerin.
Nimm halt zwei Katzen, sag ich völlig sinnentleert.
Jetzt schaun wir erst mal nach nem Hund, sagt die Schwägerin.
Zwei Tage später hab ich meinen Bruder am Telefon. Also wenn wir DIE kriegen, das wär suuuper! Eine ganz liebe ist das! Emily heißt sie, sagt er und ich frag: Was isses denn? Ein Rottweiler! kräht mein Bruder fröhlich, aber eine ganz ganz liebe! Ganz brav!Aus dem Tierheim! Die will keiner, bloß wir.
Auweh, sag ich, ein Rottweiler? Gabs denn nix anderes?
Aber die ist ganz lieb! Wie die guckt! Und ganz brav ist sie! Der Bruder ist begeistert.
Also ich mag ja Hunde per se schon auch sehr - außer den einen Köter, der mich mal bei ner Party am Buffet angeknurrt hat.
Aber – ähem – nen Rottweiler? Nö echt, sagt der Bruder begeistert, die isch echt liab! Hängeohren und so, man muss halt noch nen Wesenstest mit ihr machen, aber die isch echt nett!
Ich stell mir kurz vor, wie das aussieht, mein Bruder mit nem Rottweiler auf der Strasse –
Ein 1, 95 Mann , 120 kg, Glatze – ja, das kann spannend werden.

Nen Rottweiler!
Ich weiß schon, was ich dann als Begrüßungspäckchen losschicke –
Das KampfhundwelcomePäckchen mit Satinjogginghose, Adiletten, Feinripp und dickem Goldkettchen ( natürlich aus Plastik ).

( Vorhin noch mal mit Mutti telefoniert wegen dem Familienzuwachs. Wie isses denn, frag ich, ist Emily schon da? Nö, sagt die Mutti, Bruder hat vorhin ganz fröhlich angerufen und gesagt, dass er die Gattin den ganzen Tag noch nicht erreicht hat – wahrscheinlich hat der Hund sie schon aufgefressen, hat er gemeint )

Dienstag, 27. Juli 2010

Alles annersch

Alles annersch!

Und manchmal sogar besser.

Zuerst einmal verläßt mich die Verwandtschaft früher als geplant.
Nämlich schon am Sonntag Abend – während ich oben am Schützenhof Künstlerbetreuung mache ( soll heissen – Künstler baut auf der Bühne sein Equipment auf, ich sitze unten und lese Zeitung ).
Da klingelt Verwandtschaft durch und eröffnet mir, dass sie jetzt heimfahren. Ja, jetzt gleich.
Wie, sag ich, wir wollten doch heute noch aufs Weinfest..... Ja, sagt die Verwandtschaft, da waren sie gerade eben, da isses sehr nett,.. Ja, und, sag ich, ich wär doch gleich nachgekommen, in einem halben Stündchen löst mich Heike ab.. Nö, sagt die Verwandtschaft, nicht nötig. Jetzt waren wir ja da.
Aha, sag ich. Vielleicht kommt ihr noch freundlicherweise den Schützenhof hoch und verabschiedet Euch ordentlich? Ja, sagt die Verwandtschaft, dann können Wir Dich gleich mit runter nehmen. Nö. Sag ich, das braucht ihr dann auch nicht, was soll ich in meiner Butze sitzen, wenn ihr schon weg seid – da bleib ich oben und hör mir den Buck an!
Tatsächlich kommt Verwandtschaft noch mal hochgefahren, überreicht mir den Schlüssel und sagt brav „ Auf Wiedersehen“. Und weg sind sie.
Ich bin ordentlich angesäuert. Hab am Samstag Bude geputzt, Kuchen gebacken, Günther gekämmt, Kühlschrank aufgefüllt, Filmmitmachsause bei Herrn Stumpf sausen lassen – und auch für den Montag zwei Termine verschoben. Wegen der Verwandtschaft. Die eigentlich bis Dienstag bleiben wollte.
Und dann doch lieber wieder nach Hause wollten.
Rufe Mutti an und beschwere mich. Mutti sagt, das wundert sie jetzt eigentlich nicht – sie kennt die nicht anders.
Bin trotzdem beleidigt.

Kann aber dafür am Schützenhof bleiben und Wolfgang Buck beim Konzertieren zugucken und zuhören.
Und das war schon mal sehr hübsch.
Da war ich dann schon wieder versöhnt – weil das hätte ich ja sonst verpasst.
Und eine CD krieg ich auch noch geschenkt - was wirklich klasse ist ( und ich freu mich wirklich,
da ein paar Perlen aus dem Konzert nochmal zu hören )
Zwar rührt er mein Backstagecatering nicht an ( nuja – war ja auch nur Süßkram – und Kuchen... ) , aber er hat nach dem Gig noch nicht die Autotüre hinter sich zugezogen, da fallen Heike und ich schon darüber her.

Montag wird gleich mal ausgeschlafen ( ohne Ohrstöpsel! Wieder im eigenen Bett !),
und doch noch auf einen Termin gegangen. Außerdem hole ich mir ein paar nette Bücher aus der Stadtbücherei, und abends will ich zur Tanztruppe zum Hafensommer.
Als ich fünf vor halbneun rübereiere – sehe ich nur gääähnende Leere. Ja, abgesagt, das Ganze. Wegen Regens. Hm. Also kein Tanztheater.
Dafür Florian, der mir über den Weg radelt und mich ins Kino mitzerrt – Knight and Day mit dem kleinen Cruise und der coolen Diaz. Ein netter Film. Unterhaltsam. Typischer Sommerblockbuster. Danach geht Florian tatsächlich noch mit mir aus Weinfest am Stein – was er sonst nie, nie , nie tut, und lässt sich zu einem Gläschen Sekt überreden.

Und auch heute: Georg hängt krank in München, also kein Schützi heute.
Dafür geh ich zu „ Annamateur und die Außensaiter“ – falls das Wetter hält.
Wenn nicht, wird sicher wieder „was Annersch „ passieren.....:)

Sonntag, 18. Juli 2010

( Fast) kein Wein am Stein

Hoffest am Stein ist eigentlich ne sehr nette Angelegenheit. Wenn man sich den richtigen Tag und die richtige Uhrzeit raussucht. Und vielleicht noch die richtige Stimmung. Von einem selber natürlich.
Sonntagabend, schon später, ich bin locker mit einer Freundin verabredet, und denke mir so gegen Viertel nach elf, Ochja, schlapp doch nochmal hoch. Ist doch eh nur um die Ecke.
Und das tue ich dann auch.
Treffe Freundin, kaufe Glas, suche eines der Frolleins vom Weinverkauf.
Die grad am nächsten steht, muss tratschen. Und guckt auch nach mehrmaligem Winken nur unwillig her.
Bis sie sich dann doch bequemt.
Lustlos kommt sie auf mich zu, ne Flasche schwenkend. " Es gibt nur noch Rosé" sagt sie. Genau richtig, sage ich, bitte ein Schorle. " Gibts nicht" nölt sie. Und das langt schon, genau dieser Satz in genau diesem Tonfall, und ich bin gleich mal auf 180. Ja, das geht manchmal ziemlich schnell bei mir.
Gibts doch, sage ich ( und zwar: normales Glas Wein kaufen, und ne Flasche Wasser dazu - aber muss ich IHR das erklären?). "Hamwa nicht. Höchstens an der Theke. " Hamwa doch, sage ich. Vorgestern hatte ich das nämlich. Frollein zieht Fresse und platzt gleich. " Hamwa nicht! Gehen Sie halt an die Theke!" ich linse rüber und sehe den Chef da stehen. Falls sie noch länger drauf besteht, geh ich wirklich an die Theke. Aber nicht, um mir ein Schorle bauen zu lassen. Passen Sie auf, sag ich, ich krieg von Ihnen einfach jetzt ein Glas Rosé, und ein Wasser. "Wasser hab ich nicht, das müssen Sie sich schon irgendwo holen" .
Nein, sag ich, SIE holen mir das. ( Ja, ich kann manchmal auch wirklich SEHR SEHR borstig sein - vor allem, wenn es ums Dienstleistungsgewerbe geht.) Aber auch die kleine Weinkönigin kann stur sein. . " Ich hab jetzt keins, ich schicke Ihnen ne Kollegin vorbei", mault sie. Sehr gut, sag ich.
Die kommt auch gleich, und da funktioniert alles wunderbar. Ratzfatz.
Meine Freundin stattdessen guckt mich an. "Gell, Du wirkst schon ein bisschen gestresst!"
Natürlich! Ich bins auch. ich mußte mich grad zurückhalten, diese Schnepfe nicht an Ort und Stelle zu verprügeln.
Das Adrenalin muss ja jetzt irgendwo hin.
Und sie läßt auch nicht locker. Viertelstündlich krieg ich nen besorgten Blick und ein " Also Du gefällst mir garnicht!".
Und schon das hebt - zumindest meine - Stimmung jetzt nicht besonders.
Irgendwann gesellt sich ein angeschickertes DirndlDing zu uns, das allem Anschein nach nicht mehr ganz Herrin ihrer Sinne ist.
Ich hör mir noch zehn Minuten das Gelalle an, und beschliesse dann , zusammen mit meinem RoséSchorle die Nacht auf meiner kleinen Dachterrasse zu beenden.
Freundin guckt mich an und sagt noch mal" Also nee, Du gefällst mir üüüberhaupt nicht!" Is`ja gut.
Zuhause, mit Käsebrot und Restweinchen, fühle ich mich schlagartig besser.
Hätte wohl besser einfach von vorneherein zu Hause bleiben sollen;) Ist manchmal besser so. Für mich und die Anderen ;)

Mittwoch, 2. Juni 2010

Hin und weg

Ich könnt ja noch ewig von NYC erzählen.
Wahrscheinlich gibt’s jetzt wochenlang nur Geschichten dadrüber.
Aber – warum auch nicht. Eben! Wurscht!

Schon am Anfang, im Zug nach Frankfurt. Blättere ich endlich mal ein bisschen in
meinem NewYork Führer – und was muß ich lesen:
Wenn man Medikamente mitnimmt, sollte man vom Arzt ein Schreiben dabei haben.
Gut – für meine chinesischen Tees hab ich das zwar .. aber wenn’s nicht reicht?
Wenn sie mich dann nicht reinlassen? Und wieder zurückschicken? OhGottohgottohgott.
Ich schon am Schwitzen, bevor ich überhaupt im Flieger sitze.
Am Flughafen selber bin ich dann ja eh viel zu früh.. auch wieder typisch.
Gleich mal einchecken, den lästigen Koffer loswerden.
Und schon da werde ich von einer jungen Dame in die Mangel genommen.
Warum ich den überhaupt in die USA will . Fragt sie mich auf englisch. Ich gleich gegen den Strich gebürschtelt – geht ja schon gut los! Noch sind wir hier in Deutschland! Da wird Deutsch gesprochen! ( ja, wie gesagt, das war VOR meinem Urlaub:) ).
Urlaub!, sag ich.
Ob ich meinen Koffer selbst gepackt habe. Hab ich. Leider.
Ob er unbeaufsichtigt war während der Herfahrt. War er! Das sag ich natürlich nicht.
Er stand im Gepäckschrank in meinem Zugabteil, und ich glaub ja nicht, dass mir in aller Früh die verpennten Bürohengste ihre alten Krawatten in meinen Koffer schmuggeln. Oder Drogen.
Hat mir jemand was mitgegeben?
Ah! Mist! Jetzt haben sie mich. Das Päckchen von Moggadodde.
Ja, sag ich. Die junge Dame guckt streng.
Wissen Sie, um was es sich handelt?
Ähhh, ... Seife? Antworte ich fragend.
Sie wissen es also nicht genau?
Seife!, sag ich und... äh.. Lavendeldings halt.
Wie heißt die Person, die Ihnen das mitgegeben hat?
Moggadodde! Will ich sagen, dann fällt mir noch der echte Name ein. Zum Glück. Mit "Moggadodde" hätte ich wohl an Ort und Stelle umdrehen können.
Aha, sagt die Dame. Wie lange kennen Sie die betreffende Person?
Äh... sechs Monate...etwa.
Und Sie sind sich sicher, dass diese Person Ihnen keine Drogen mitgegeben hat?
Sechs Monate – das ist nicht lange!
Ich als Drogenkurier für Moggadodde! Kurz hab ich ein Bild im Kopf - die Moggadodde als "der Pate" im schwarzen Anzug, ein kleines Oberlippenbärtchen , die Scheine zählend... Sehr lustig!
Das finde aber nur ich.
Die Dame guckt immer noch streng. Vergewissern Sie sich besser, was genau Sie da bekommen haben. Und am besten nehmen Sie das ins Handgepäck. Na von wegen.
Ich bin einmal mit nem frischen Trüffel im Flieger gesessen, der hat vielleicht gestunken, das war schon peinlich – und jetzt soll ich mit der Lavendelduftbombe von Moggadodde – nö, das bleibt mal schön im Koffer!
Aber vor den Augen von Madame Sicherheitsexpertin muss ich mich vergewissern, was in Moggadoddes Päckchen steckt. Also Koffer auf, das liebevoll zusammengeschnürte Päckchen nicht ganz so liebevoll aufgerupft, reingeguckt: Lavendel ! Als Seife und im Säckchen! Als typisch fränkisches Mitbringsel.
Koffer zu, abgegeben , eingecheckt.

Irgendwann sitze ich dann tatsächlich im Flieger. Zwischen einem moppeligen Amerikaner, der mir die sehenswertesten Sehenswürdigkeiten von NYC en gros und en detail auseinanderklabüstert hat, noch bevor der Flieger das Frankfurter Rollfeld überhaupt verlassen hat ( Und der dann meine Kopfhörerbuchse belegt , weshalb ich bei allen vier Filmen von den Lippen ablesen muss - ja, und das ist echt ermüdend!) und einem äußerst gut aussehenden ansprechenden jungen Mann mit Dreads. Der mir leider garnix auseinanderklabüstern will. Kurz vor der Ankunft ( praktisch schon im Sinkflug, Herrschaft!) kommen wir doch noch irgendwie ins Gespräch. Er ist Physiker und arbeitet mit irgendwelchen Leuten an der Optimierung von Computern, Geschwindigkeit und so. Ich guck mir an, wie er seine Formeln mit Bleistift in seinen Block kritzelt und sage, dass es damit aber nicht weit her sein kann, wo er doch noch mit Papier und Bleistift arbeitet.
Er lacht sogar.
Wir unterhalten uns noch ein bisschen – ich grabe ein bisschen Italienisch aus, weil er nämlich Italiener ist. Und mache noch den einen oder anderen Scherz. Achja, ich kann ja so lustig sein!
Jetzt mal so unter uns - Inzwischen glaube ich ja, dass das das Letzte ist, was Jungs von Mädels wollen. Witze hören.
Ich muss mir das mal abgewöhnen.
Passiert mir ja immer wieder. Hier und da und dort. Ha! You´re so funny! sagt das Männchen und dreht sich um, um sich mit der langbeinigen Blonden mit den großen Augen zu unterhalten.

Wurscht!
Wo war ich? Egal – jedenfalls war schon der Hinflug recht unterhaltsam.
Mal gucken, ob ich noch die eine oder andere Episode erzähle.
Vom verschenkten VIP-Ticket.
Einer Ligeti-Oper mit den New Yorker Philharmonics.
Einem schlechten Film.
Oder einem verpassten Flug....:)

Dienstag, 1. Juni 2010

Land des Lächelns

Wenn man weite Strecken zurücklegt, reist einem die Seele hinterher. Kommt also praktisch erst mit Verspätung an.
Sagen die Indianer, sagt meine Stimmtherapeutin Hilde.
Man kennt das ja auch als Jetlag.
Ich glaube jetzt nicht, dass ich an Jetlag leide. Dafür bin ich ja gestern konsequent den ganzen Tag wachgeblieben, bis ich Sternchen gesehen habe und dann schon im Stehen eingeschlafen bin.
Bis mich Günther heut in aller Herrgottsfrüh ( 10.00 Uhr!) wachgeköpfelt hat.

Aber dafür, dass meine Seele noch irgendwo über dem Atlantik hängt, bin ich grad ganz froh - dann nimmt das zarte Ding nämlich auch keinen Schaden an den Borstigkeiten um mich herum!
Herr im Himmel! Ich wußte garnicht, dass wir hier SOOO unfreundlich sind!
Ich will garnicht mehr aus dem Haus.

Richtig nett war eigentlich nur mein Dottore heute und Schwester Nasrin.
Aber der Rest! Der Rest!
Nur stumpf dreinblickende Gesichter, kein Lächeln, kein freundliches Hallo oder Guten Tag, kein herzliches Bitte oder Danke.
Stattdessen überall nur Gebrummel und Geborschtel, fiese Fressen, kein Smiley , kein Garnüscht.
Da krieg ich ja echt die Krise.

Das ist nach den zehn Tagen in NYC ein richtiger Schlag ins Gesicht UND in die Magengrube.
Wie kann man nur so fiese Laune rumtragen den ganzen Tag!

Was hab ich das geliebt da drüben - alle immer am Lächeln, am Nachfragen, Wie gehts, wie stehts, tolle Ohrringe, schönes Kleid, wo kommenSe denn her, wo wollenSe denn hin, noch nen Wunsch, bitte, danke, schönen Tag, schöne Zeit, und schön, dass Sie hier in New York sind, geniessen Sie ihren Aufenthalt . Sagt selbst die Bäckersfrau um die Ecke.

Ich will sofort wieder zurück. Warum bin ich da nicht früher hin!
Und sehe grad für meinen Job als Komödiantin so grad garkeine Perspektive.

Ja, ich weiß. Das wird sich wohl auch bald wieder geben.
Und wenn meine Seele dann wieder da ist, könnwa wieder gemeinsam zurückborschteln.


Freitag, 12. März 2010

Fast Perfekt!

Ich gucks, ich gucks.
Wenn ein bisschen Aufregerpotential drin ist, und es nicht nur ein Schnarchhaufen ist, dann guck ich mir wirklich gern das“Perfekte Dinner“ an.
Wie Leute kochen! Was die alles können! Und wie die leben! Ich bin da immer ganz erstaunt.
So jung und schon so erwachsen! Und frage mich, wann das bei mir mal losgeht damit.
Mit dem „Erwachsen leben“. Ordentliche Schränke. Tischdeko beim Essen (Hä?). Selbst die Söckchen in den Schränken sind gebügelt und gefaltet. Und immer alles so adrett!
Und alles so, wie es halt gehört. Da steht kein Papyrus im Kochtopf, weil halt grad nichts anderes da ist, wo er reinpasst. Zeitschriftenseiten werden nicht in Regalen gesammelt, das Bild hängt an der Wand und lehnt nicht davor. Osterhasen werden in kleinen Moosnestern versammelt und hängen nicht lieblos am Nagel vom Balken.. und.. Ach! Ewig könnte ich aufzählen!
Jedenfalls:
Diese Woche isses zum Beispiel recht unterhaltsam.
Melek, das schöne Kind – vollendete Gastgeberin, und Allerschönste von Welt! Und so etepetete, dass man sich denkt, wenn die sich das Popöchen putzt, nimmt sie auch dafür extra Einweghandschuhe, bevor sie sich am Klopapier vergreift. Das Kapriziöse hat sich bloß inzwischen zu einer ordentlichen Portion Überheblichkeit gemausert.
Die Amerikanerin Holly ist eine lustige Spaßkanone, Hauptsache alle haben genug zu essen, und verstehen sich gut, und „HappyHappyHappy!“. Durchaus sympathisch. Und noch dazu wird man satt bei Ihr! Und ich werd mich über ihren CocosPie hermachen, ich schwöre! Miiiiaaam!
Hachgott, und unser Personalvermittler Stefan, ein schwuler Besserwisser, der geht mir auf den Keks! Da denkt man , schwul ist eh locker - aber Nö! Wenn der schwule Junge Spiessbürger ist - dann aber richtig! Immer das letzte Wort, hat an allem zu mäkeln, immer määääh gelaunt... und kochen kann er schon gar nicht. An seinem Abend hat er seinen Gästen Mansch vorgesetzt, den man ihm über den Kopf hätte schütten sollen. Wasn Doofkopf.
Dann noch Personaltrainer Koray, der nett und freundlich ist, genauso wie Ewa aus Polen.
Am Nettesten ist es ja immer, wenn die Herrschaften ausgequetscht werden, was sie denn so voneinander halten.
Jaaa, da prallen Welten aufeinander.
Stefan macht die Teekanne und sagt über irgendwas “ Also das geht GARnicht“ ach Gottja, ihm hat die Erdbeere zu seinem Champagner gefehlt – ausgerechnet! und du möchtest ihm rechts und links eine wäschern.
Und Melek lästert über die Bude von Holly und rümpft das kleine Näschen „ also SO möchte ich ja nicht leben!“ und du denkst, was muss das für ein elender Sauhaufen sein – aber Nö! Da ist nur hübsch dekoriert, wie es Mädels halt so machen! Stoff und Rattan und so.
Bilder an der Wand. Da lebt wer.
Nicht wie bei Melek.
Bei Melek ist es nicht dekoriert. Bei Melek ist es aseptisch. Man könnte es mit einem Operationssaal verwechseln – also ICH würde es mit einem Operationssaal verwechseln.
Ich hätte da Angst, dass man mich plötzlich auf den Esstisch wirft und ausweiden täte.
Ja, ich gucke gern „ Perfektes Dinner“.

Montag, 1. März 2010

SauberSauberSauber

Ich stehe in der Reinigung in der Stadt.
Ich steh da jetzt schon zum vierten Mal, nicht freiwillig, sondern vergeblich.
Meine Auftrittsklamotten - die Kleider müssen gereinigt werden, zerbügelt hab ich sie inzwischen schon selbst -
hab ich da letzte Woche abgegeben, zögerlich! Jawoll! Für mich sind diese Reinigungsläden nix vertrauenswürdiges..
wie die Kleider da an der Stange hängen wie WiesenhofHähnchen kurz vorm Abschlachten - nö, das sieht nicht gut aus.

Donnerstag hätte alles fertig sein sollen. Gut, dann Freitag.
Auch Freitag nicht. Weder Mittags noch Abends, keine Spur.
Heute dann - wenigstens die Hose und ein Kleid.
Ein Glück, dass ich am WE keinen Gig hatte.
Ich bin langsam ziemlich borschtig.
" JA, ich weiß!", gifte ich rum, " Sie können nichts dafür! Trotzdem ist das irgendwie nicht..äh..OK!"
Nicht ok! Ja, ich kann ganz schön böse sein.
Nehme die Klamotten und bin schon an der Tür, da ruft Frau Reinigungsfachangestellte hinterher:
" Naja, die sind halt grad auch alle krank! Die ganze Firma! Selbst der Fahrer! Brechdurchfall!"

Irgendwie ist mir seitdem garnicht gut.
Ich glaube, ich geh diese Woche einfach nur mal in Jeans und T-Shirt auf die Bühne.
Wer braucht schon Kleider.

Donnerstag, 18. Februar 2010

IKEA und Mc

Jetzt bin ich ja eigentlich gestern schon genug unterwegs gewesen – allein IKEA langt ja wieder fürn halbes Jahr, wenn nicht länger.
Wie sie da alle gemütlich raumgreifend durch die Gänge schlendern, ganze Familienclans und du kommst weder rechts noch links an ihnen vorbei – Menschenmassen – ich frag mich da, wie kommts? Deutschland steckt in der Krise! Wir haben bald nichts mehr! Kein Geld! Keine Arbeit! Inflation! 2012 geht außerdem die Welt unter! Aber der Unterfranke lässt sich von so was nicht aus der Ruhe bringen, nein, gemütlich flaniert er durch die Einrichtungshölle, schenkt der Küchenkombi „Auvwerma“ seine ganze liebevolle Aufmerksamkeit, oder der Couchkombination „ Sovavurtsa“ .
Bei mir muss das immer ZackZack gehen, Tüte auf, Zeug reinwerfen, Kasse, heim, Sofa!

Natürlich kenne ich auch besinnliche Momente der Ruhe.
Zum Beispiel heute am frühen Nachmittag bei McDonalds im Industriegebiet.
War in der Gegend wegen Katzenmedizin, und dann kehr ich hie und da schon mal ein – weil – ja! Ich sag es frei heraus: Der Milchcafé ist echt ein Feinerchen!

Sitz ich also da gemütlich in der Caféecke,
mit Café und einem schönen Schokoladendonut.
Sitze und denke nichts.
Sondern – höre nur zu. Das ist ja das Schöne, wenn man den Leuten so auf der Pelle sitzt, man bekommt unweigerlich die Gespräche mit.
Zweieinhalb Tische entfernt also dieses Paar.
Er Kahlkopf, eher schmächtig, sie blond und eher, sagen wir mal, quadratisch. Ziemlich quadratisch. Die Frisur könnte auch mal wieder ne Wäsche vertragen. Die ganze Frau irgendwie.
Scheinen Arbeitskollegen zu sein, reden nämlich erst über Arbeit.
Und dann geht’s ins Private. Und ich spitze die Ohren.
„Und, was macht die Liebe?“ fragt sie.
Er nuschelt ein wenig in sich rein, „ Nix“, sagt er
„ Willste nicht, oder wie,“ fragt sie. „Nö, passt halt grad auch nicht !“ sagt er.
Das ist das Stichwort für unsere Madam, die natürlich nur gefragt hat, damit sie ihren Sermon loslassen kann.

„Jaha!“ sagt sie, „ passen muss es schon! Also bei mir hats ja gepasst! Also wir waren ja 20 Jahre zusammen! Er hat mich ja schon immer von der Schule abgeholt, wenn’s gepasst hat!“ preist sie die Vorzüge der ewigen Liebe. Die ja aber wohl auch nicht gehalten hat, weil jetzt ist sie ja wohl Single. „ Und warum denn noch?“, fragt er, als sie kurz Luftholen muss.
„Ach!“, sagt sie, „ wenn’s so einfach wär! Ich geh ja auch viel aus dem Haus und bin viel unterwegs, wirklich!“ - ja, denk ich, Kindchen, warum solls Dir besser gehen als mir – da sagt sie „ und ich werd ja auch ständig angesprochen , wirklich, aber da ist doch nichts mit Bestand dabei!“
Ich huste den Milchcafé, an dem ich mich grad verschluckt habe, an die sauberen Fensterscheiben , der Rest rinnt mir aus der Nase.
Da sitzt Germanys Next Topmodel direkt neben mir und ich hab sie nicht erkannt?
Kurz bin ich erschüttert. Aber nur kurz.
Aber jetzt weiß ich wenigstens Bescheid! Dieser 120 Kg Wonneproppen greift alles ab!
Da kann ja nix mehr für mich übrigbleiben!
Und es liegt beileibe nicht an den wohlgeformten Rundungen, nein!
Ihre sanfte Stimme muss es wohl sein, ihre Einfühlsamkeit, mit der sie ,ich ahne es, wohl auf ihre Gesprächspartner eingeht,
ihr Charme, der meinen Donut drei Meter Luftlinie entfernt unter seinem Schokomützchen erstarren läßt.
Und wie sie da so sitzt, unter der Fettmatte, breitbeinig - herrje...
Natürlich kann es nicht anders sein!
Natürlich: So eine wird angesprochen! Wo sie geht und steht!
Mir passiert das nie! Nie!
Ich gehe sofort an die Theke, hol mir noch mal drei Donuts, die ich noch im Stehen verschlinge, die fettigen Finger wische ich mir in die Haare und beim Rausgehen puste ich die Backen auf.
Auf dem Heimweg fahr ich beim Aldi vorbei und lad mir den Wagen mit Fresskram voll.
Das wäre doch gelacht. Wenn es das ist, was die Jungs wollen! ;-)

PS:
Natürlich bin ich auch mal angesprochen worden. Letztens erst.
Also zusammen mit einer Freundin - logisch, zwei Männer haben uns in ein Gespräch verwickelt ( Oder wir sie? Wir uns?
Wurscht!)
Am Schluss gab der eine mir seine Visitenkarte.
Und ich hab sogar eine Woche später mal angerufen.
Aber er hat sich nicht mehr an mich erinnert.